Der Regen (1894)

Lang in endlosen Fäden rieselt der Regen

unermüdlich aus grauen Himmelsgehegen,

mit grauen Fäden die grünen Fenster zu fegen,

der unendliche Regen,

der lange Regen,

der Regen.

 

Er zerfasert sich seit gestern nacht

aus der Wolken lumpigen Massen,

die der Himmel schwarz überdacht.

Er streckte sich langgsam, gelassen

über die Straßen seit gestern nacht

und ist auf allen Pfaden und Wegen

zugegen.

 

Wo Meilenstrecken

sich an Feldern vorbei in die Landschaft recken,

an der Straßen unendlich gekrümmten Spuren

ziehn dampfend,  mühselig und lastenstill,

dunkel wie ein Begräbnisprofil,

mit gewölbten Verdecken die Fuhren.

in die Furchen, die nebeneinander schleichen,

die langsam nachts des Himmels Rand erreichen,

ist mit klopfenden Schlägen

durch Stunden des Wassers geglitten,

und die Bäume weinen, die Hütten,

auf die es rieselt, die ihn litten,

den langen, zähen, den unfaßbaren Regen.

.

.

.

Emil Verhaeren (1855-1916)

übers. von Erna Rebwoldt

Das Leben, das leise, das Leben das wilde. Reclam Leipzig 1982. Darin viele Übersetzungen von Stefan Zweig, der eine Biographie über Emil Verhaeren geschrieben hat.

 

 

 

 

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