1972 (Nobelpreis)

schreibt Heinrich Böll folgendes

Ich kann  es mir nicht leisten als Angehöriger eines Volkes, das nicht verwöhnt worden ist,  diesen Preis abzulehnen. Ich freue mich im Gegenteil jeden Tag mehr, dass ich ihn bekommen habe. Warum? Oh, nicht aus persönlicher Eitelkeit , sondern einfach weil ich Deutscher bin. Es gibt Dinge, die die Franzosen sich erlauben können, weil sie ein wenig verwöhnt sind. Wir nicht. Welches auch die Fehler unserer Vergangenheit sein mögen, verwöhnt waren wir nie. Ein französischer Intellektueller, der sich engagiert, kann sich  auf eine lange nationale humanistische Tradition beziehen. Wenn wir uns engagieren, verbirgt sich dahinter immer ein wenig Angst, die Angst jener, die wissen, wie die Dinge von einem Tag zum anderen sich ändern können…Ich glaube nicht, dass jemand schuldig ist, weile er geboren ist, wo er geboren wurde, aber auch keiner unschuldig, weil er geboren ist, wo er geboren wurde. Die Schuld der Zeitgenossen tragen wir alle. Es gibt natürlich eine Schuld, die jeden Deutschen drückt, der nicht mehr so ganz jung war. Das ist die Schuld, viele Dinge nicht getan zu haben. Aber ich bin nicht unglücklich darüber, ein Deutscher zu sein. Daß wir Deutsche waren, war für uns zu selbstverständlich, als dass wir darüber nachgedacht hätten. Dass wir auf eine unangenehme Weise gezwungen wurden , uns deutsch zu fühlen, haben wir erst 1933 gemerkt. Für einen Deutschen ist es sehr schwierig , sich selbst als solchen zu akzeptieren. Aber man kommt in einen Zwang und empfindet das Deutschein nach zwölf Jahren Naziherrschaft doch schon als Fluch. Nur gerät jeder in eine Geschichte, die er selbst nicht bestimmen kann. Aber dann kam auch für mich eine merkwürdige dialektische Deutschheit hinein. Weil dieses Volk so verachtet wurde, wollte ich auch dazugehören. Das mag sehr metaphysische klingen. Ich war ein Gegner des Naziregimes von Anfang an, aber das bedeutet überhaupt nichts….

…Gewalt, Zerstörung, Schmerz, Missverständnisse liegen auf dem Weg, den einer daherkommt, aus den Schichten vergangener Vergänglichkeit in eine vergängliche Gegenwart. Und es schufen Scherben, Geröll und Trümmer, schufen Ost- und Westverschiebungen nicht, was nach so viel, viel zu viel Geschichte zu erwarten gewesen wäre: Gelassenheit; wohl, weil man uns nie liess; den einen zu westlich, den anderen nicht westlich genug; den einen zu weltlich, den anderen nicht weltlich genug. Immer noch herrscht Misstrauen unter den Demonstrativ-Teutschen, als wäre die Kombination westlich und deutsch doch nur eine Täuschung der inzwischen unheilig gewordenen Nation. Wo doch gewiss sein müsste: wenn dieses Land je so etwas wie ein Herz gehabt haben sollte, lags da, wo der Rhein fliesst. Es war ein weiter Weg der deutschen Geschichte in die Bundesrepublik Deutschland….

Was ich (C.W.) eigentlich sagen möchte ist,dass die selbstkritische Distanz anzustreben ist.

Nicht die Fehlerlosigkeit.

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